Vollkornbrot gegen Verstopfung

Brot ist DAS Grundnahrungsmittel in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Jeder von uns isst im Durchschnitt um die 80kg Brot pro Jahr (1). Früher war mit Brot  – auf Grund der fehlenden Verarbeitungsmöglichkeiten –  praktisch ausschließlich Vollkornbrot gemeint. Mit dem technischen Fortschritt kamen immer neue Möglichkeiten hinzu Korn zu raffinieren, sodass Weißmehl immer weitere Verbreitung fand. Weißmehl ist überdies beliebt auf Grund der längeren Haltbarkeit und der angenehm, weichen Textur.

Mittlerweile weiß man aber, dass sich aus der stärkeren Verarbeitung aber gesundheitliche Nachteile ergeben und so erlebt das „volle Korn“ ein Comeback. Außerhalb des DACH-Raums ist es aber oft immer noch recht schwierig an etwas anderes als Weißbrot zu kommen. Die Fülle an köstlichen Vollkornbroten, die es bei uns bei jedem gut sortierten Bäcker gibt, ist in anderen Teilen der Welt gänzlich unbekannt.

Wie wirken Vollkornlebensmittel gegen Verstopfung?

Vollkornbrot enthält pro 100g etwa ca. 4,7g Ballaststoffe. Es handelt sich dabei aber bestenfalls um einen Richtwert. Kein Brot ist wie das andere. Man kann aber als Daumenregel annehmen, dass Vollkornbrot 2-3 Mal so viele Ballaststoffe enthält wie sein Nicht-Vollkorn Gegenpart.

Wie auch bei den anderen Hausmitteln gegen Verstopfung helfen die Ballaststoffe die Verdauung anzukurbeln. Abnehmwilligen helfen Ballaststoffe ebenfalls, da das Sättigungsgefühl nach dem Essen länger anhält.

Noch mehr Ballaststoffe als in Vollkornbrot findet man übrigens ins Haferflocken oder in Hülsenfrüchten wie Bohnen oder Linsen, oder in Samen wie Chiasamen und Leinsamen. Alles wundere Hausmittel gegen Verstopfung.

Warum ist Vollkornbrot gesünder als Brot aus Weißmehl?

Wenn man sagt ein Lebensmittel sei gesund, dann muss man immer fragen „im Vergleich wozu“. Gerade Lebensmittelkonzerne bringen immer wieder Studien, die nach dem Motto agieren „Schokolade ist gesund … im Vergleich zu Zuckerwatte“. Wenn hier davon die Rede ist, dass Vollkornbrot gesund ist, dann sollte man natürlich dazu sagen „im Vergleich zu dem gleichen Produkt aus Weißmehl“. Wer die Wahl hat zwischen einem Sandwich aus Weißmehl und einem Dinkel-Vollkornbrot zu wählen, der greift doch lieber zum Vollkornprodukt.

Als gesundheitlichen Vorteile von Vollkornbrot werden meisten genannt, dass dieses bei koronaren Herzerkrankungen helfen kann (2).

Vollkornbrot erkennen

Wo Vollkorn drauf steht, ist (normalerweise) Vollkorn drin. Das Wort Vollkorn ist auch geschützt, um Konsumenten nicht in die Irre zu führen. Als Vollkornbrot vermarktet werden darf nur ein Brot, das mindestens zu 90% aus Vollkornmehl besteht (3). Groß angelegte Fälle von falscher Kennzeichnungen kommen in unseren Breiten praktisch nicht vor oder sind zumindest unüblich.

Bei offener Ware besteht keine Kennzeichnungspflicht. Beim Bäcker müsste also nicht unbedingt drauf stehen, ob es sich um Vollkornbrot handelt. Jeder Hersteller und jeder Bäcker wird aber danach streben seine Produkte auch als Vollkorn anzupreisen – immerhin sind üblicherweise auch die Kosten in der Herstellung höher und die Kunden sind oft bereit einen höheren Preis für Vollkornprodukte zu bezahlen. Es sollte einem also nicht schwer fallen Vollkorn zu erkennen. Im Zweifelsfall einfach mal Nachfragen.

Alles Vollkorn oder was?

Vollkornbrot ist nicht das einzige Lebensmittel bei dem man zwischen der normalen und der Vollkorn-Variante wählen kann. In jedem gut sortierten Supermarkt finden wir heute allerlei unterschiedliche Vollkornnudeln. Außerdem ist es natürlich problemlos möglich auch Vollkornmehl zu kaufen und selber mit Vollkorn zu backen.

Lassen Sie sich aber nicht von den Lebensmittelherstellern für dumm verkaufen. Der Teig einer Vollkornpizza oder eines Vollkornburger mögen zwar aus Vollkorn sein, das heißt aber noch lange nicht, dass Pizza und Burger plötzlich gesund sind. Sie sind dann auch kein „tolles Hausmittel gegen Verstopfung“.

Ist Dinkel der „bessere Weizen“?

Wenn man sich nun erstmal darauf geeinigt hat zu einem Vollkornprodukt zu greifen, dann sollte man sich noch die Frage stellen, ob es aus Weizen oder Dinkel sein soll. Die Frage kann man dann aus mehreren Gesichtspunkten betrachten:

  • Für den Geldbeutel ist Weizen oft eine Spur verträglicher …
  • … für den Darm aber nicht immer. Denn obwohl Dinkel ebenso viel oder mehr Gluten enthalten kann als Getreide, vertragen viele Menschen mit einer Glutensensitivität Dinkel trotzdem besser als Weizen. Das muss dann aber konkret jeder für sich ausprobieren.
  • Überdies ist Dinkel mit einem so genantnen Spelz ausgestattet, einer zusätzlichen Schutzhülle rund um das Korn, was es weniger anfällig gegen Schädlinge macht. Daher wird Dinkel oft (keine Garantie!) auch mit weniger Pestiziden besprüht.
  • Dinkel ist oft (aber auch hier muss man sich das jeweilige Produkt im Einzelfall ansehen) ein regionales Produkt, das vor allem im DACH Raum angebaut wird während Weizen auch gern mal um die Welt verschifft wird.
  • Dinkel enthält insgesamt etwas mehr Eiweis und Spurenelemente als Weizen, beispielsweise Eisen oder Magnesium (4). Daher wird Dinkel oft als die gesündere Alternative zum Weizen vermarktet.

Am Ende des Tages bleibt es eine Glaubensfrage und auch ein Stück weit individuelle Präferenz.

Ach und übrigens: Falls Sie irgendwo Grünkernprodukte finden. Das ist auch nichts anderes als Dinkel, nur, dass das Grünkern eben noch „grün“ geerntet wird, also einige Wochen vor der vollen Reife.

Sind Vollkornprodukte glutenfrei?

Viele Getreidesorten enthalten Gluten. Das ist für den Großteil der Bevölkerung kein Problem. Für jene Menschen mit Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) oder einer Glutensensitivität könnte es eine Option auf andere Getreidesorten zurückzugreifen:

Glutenfreie Getreidesorten

  • Buchweizen: Buchweizenbrot findet man heute schon bei vielen Bäckern und in vielen Supermärkten.
  • Amaranth: Amaranth ist ein so genanntes Pseudo-Getreide. Fühlt sich an wie eins, schmeckt wie eins, lässt sich weitestgehend verarbeiten wie eins, ist aber streng genommen keins. Wenn man ein bisschen sucht, findet man auch einige Rezepte wie man aus Amaranth Brot backen kann.
  • Quinoa: Quinoa, ebenfalls ein Pseudo-Getreide, hat sich mittlerweile als Beilage (etwa statt Reis) oder als Salat einen Platz erkämpft. Aus dem Mehl lässt sich natürlich auch wieder Brot backen.
  • Hafer: Auch aus Hafermehl lässt sich ganz wunderbar Brot backen. Dabei kann man das Hafermehl aus Haferflocken selber herstellen oder es in einem gut sortierten Supermarkt oder in der Drogerie fertig kaufen.  Üblicherweise  genießt man dann aber doch Haferflocken als wunderbares Hausmittel gegen Verstopfung.

Woher kommt die Redenwendung „Brot und Spiele“?

Brot ist bei uns so beliebt, dass auch viele Redewendungen und Stehsätze auf Brot zurückgreifen, etwa „Brot und Butter“ oder „bei Wasser und Brot“. Der wahrscheinlich bekannteste Ausdruck „Brot und Spiele“ (panem et circenses) verdeutlicht aber wie bedeutend Brot schon im antiken Rom war. Der Ausdruck wurde vom römischen Dichter Juvenal geprägt, wobei viele Quellen davon ausgehen, dass er schon früher entstanden war: Der Ausdruck bezeichnet eine Kritik am römischen Volk äußerte für das die Wahlen zu einer Formalität verkommen waren. Das Volk sei nur noch auf das leibliche Wohl (symbolisch dafür das Brot) und Unterhaltung (Circus vor allem auch Gladiatorenkämpfe) aus, würde sich also nur mehr auf „Brot und Spiele“ fixieren und den Machthaber unterstützen, der ihnen möglichst viel davon versprach.

Glücklicherweise ist Juvenals Kritik heute undenkbar – immerhin haben wir keine Gladiatorenkämpfe mehr 🙂

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